Europa als globaler Hotspot für gemeinwohlorientierte KI: Aufbau eines nachhaltigen und wirksamen europäischen GeKI-Ökosystems.

Wie kann es gelingen?

Europa steht an einem entscheidenden Punkt: Während die großen Tech-Giganten in den USA und China KI-Entwicklung vor allem nach Markt- und Staatsinteressen vorantreiben, bietet sich Europa die einmalige Chance, ein eigenes Modell zu etablieren: ein Ökosystem für gemeinwohlorientierte KI (GeKI). Ein System, das nicht nur ökonomischen Erfolg verfolgt, sondern soziale Wirkung, Teilhabe und nachhaltige Transformation ins Zentrum rückt. 

Was GeKI bedeutet

GeKI meint Künstliche Intelligenz, die nicht primär für Gewinnmaximierung entwickelt wird, sondern um gesellschaftliche Herausforderungen zu lösen daher: transparent, inklusiv und im Dialog mit den Betroffenen. KI wird so zu einem Instrument für das Gemeinwohl. Damit GeKI Ökosysteme wirken, braucht es mehr als Algorithmen: Es geht um Daten, Talente und Rechenleistung, also die zentralen Ressourcen für KI, sowie um die richtigen Förderstrukturen und Governance-Modelle. 

Beispiele aus der Ostseeregion

In der Baltic Sea Region zeigen bereits heute Initiativen, wie Bausteine eines europäischen GeKI-Ökosystems aussehen können: 

  • Schweden: AI Sweden ist das nationale Zentrum für angewandte KI. Mit über 160 Partnern aus Wirtschaft, Forschung, Staat und Zivilgesellschaft wird hier ein starkes Ökosystem aufgebaut, das KI gezielt für gesellschaftliche Herausforderungen nutzbar macht. 
  • Dänemark: Das Danish Centre for AI Innovation (DCAI) betreibt mit Gefion einen KI-Supercomputer. Finanziert über eine öffentlich-private Partnerschaft, ermöglicht er Innovator:innen sektorübergreifend Zugang zu Rechenleistung – auch für gemeinwohlorientierte Projekte. 
  • Deutschland: Mit Civic Coding bündeln mehrere Bundesministerien Initiativen, um die Zivilgesellschaft im Bereich KI zu stärken. Über Beratung, Plattformen und Förderungen entstehen Räume für innovative Projekte in Bildung, Umwelt und sozialer Teilhabe. Ergänzend zeigt Hamburg mit ARIC e.V., wie KI-Kompetenzen auf städtischer Ebene koordiniert und verantwortungsvoll genutzt werden können. 

Werkzeuge aus dem RESIST-Projekt

Das transnationale EU-Projekt RESIST liefert konkrete Ansätze, wie solche Initiativen systematisch gestärkt werden können: 

  1. Mission-Oriented Innovation Policy (MOIP): Gesellschaftliche Herausforderungen werden als Missionen formuliert (z. B. Klimaneutralität), um Förderungen und Investitionen gezielt auszurichten. 
  1. Öffnung bestehender Innovationsförderungen: Klassische Cluster- und Innovationsprogramme sollen auch soziale Innovationen und Zivilgesellschaft einbeziehen. 
  1. Quadruple-Helix-Modell: Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft arbeiten eng zusammen, um inklusive und partizipative KI-Innovationen zu entwickeln. 

Warum das genau jetzt wichtig ist

Europa hat die Chance auf einen „Wikipedia-Moment“ im KI-Zeitalter – ein Symbol für digitale Innovation, die global wirkt, aber auf Gemeinwohl, Demokratie und Nachhaltigkeit ausgerichtet ist. Damit dies gelingt, braucht es gezielte Investitionen, inklusive Governance und eine Anpassung bestehender Fördermechanismen. 

Das RESIST-Projekt zeigt: Einige Bausteine sind bereits vorhanden. Was jetzt zählt, ist der europäische Wille, sie zu verbinden für ein KI-Ökosystem, das nicht nur ökonomischen Erfolg bringt, sondern echten gesellschaftlichen Mehrwert schafft. 

Über RESIST

Das RESIST-Projekt ist eine transnationale Initiative im Rahmen des Interreg-Ostseeraumprogramms, die von November 2023 bis Oktober 2026 läuft. 
Ziel des Projekts ist es, bestehende regionale Innovationsökosysteme für soziale Innovator:innen und Sozialunternehmer:innen zu öffnen, um gesellschaftliche und ökologische Herausforderungen wie Klimawandel, soziale Ungleichheit und wirtschaftliche Instabilität anzugehen. Das Projekt wird von der Behörde für Wirtschaft und Innovation der Freien und Hansestadt Hamburg geleitet und umfasst 13 Hauptpartner:innen sowie 16 assoziierte Organisationen aus acht Ländern des Ostseeraums. Finanziert wird RESIST durch das Interreg- Ostseeraumprogramm der EU.  

 

 

Paper hier herunterladen:

RESIST_GeKI-Paper.pdf